Nordpolen: Kaschubei  –  Schönberger Hügel-Route
Nordpolen: Kaschubei  –  Schönberger Hügel-Route

10. Juli 2025

Nordpolen: Kaschubei – Schönberger Hügel-Route

Die Kaschuben sind ein westslawisches Volk, das heute fest mit dem polnischen verwachsen ist. Ihr historisches Siedlungsgebiet umfasst weite Teile Pommerns. Es reicht von der Ostsee bis zu den Wäldern der Tucheler Heide. Ihre anmutigen Landschaften und reichen kulturellen Schätze machen die Kaschubei zu einem lohnenswerten Reiseziel.

Das hügelige, seenreiche Kaschubenland beginnt im Westen etwa zwischen Stolp und Czarne (Hammerstein). Im Süden reicht es bis an die Sandböden der Bory Tucholskie (Tucheler Heide), im Osten bis zur Danziger Niederung. Nördlich begrenzen es die Ostsee und die Halbinsel Hela. Sein Kerngebiet und zugleich schönster Teil ist die Szwajcaria Kaszubska (Kaschubische Schweiz).

Gelegenheit, sie zu durchwandern, bietet der „Szlak Wzgórz Szymbarskich“ (Schönberger-Hügel-Weg). Die 127 Kilometer lange, schwarz markierte Strecke beginnt in Sierakowice (Sierakowitz) am Quellgebiet des Flusses Bukowina (Buckowin). Durch die zauberhaften Lasy Mirachowskie (Mirchauer Wälder) schlägt sie zunächst einen Bogen um den Jezioro Bukowskie (Buckower See) und durch das Naturschutzgebiet Jezioro Turzycowe (Seggensee), bevor sie Kurs auf Süden nimmt. Den Orten Wygoda Łączyńska (Wigodda) und Łączyno (Lonschin) folgt das Brama Kaszubska (Kaschubische Tor) – ein Isthmus zwischen Jezioro Raduńskie Dolne und Górne (Unterem und Oberem Radaunensee). Über die Dörfchen Zgorzałe, Uniradze geht es nach Gołubie (Gollubien) mit seinem Botanischen Garten und weiter am Nordufer des Jezioro Kniewo (Knackseer See) entlang.

Schönberg, kaschubische Folklore. Foto von Carsten Heinke

Zwischen Potuły (Patull) und Szymbark (Schönberg) steht die neugotische Theresienkirche (1884) aus rotem Backstein. Eine Steinplatte davor zeigt das kaschubische Alphabet. Das kann man sich im privaten Folklore-Freizeitpark „Zentrum für Bildung und Regionalmarketing“ auch vorsingen lassen. Lohnender ist ein Aufstieg zur Wieżyca (Turmberg), die mit 329 Metern höchste Erhebung des Baltischen Landrückens, der sich von Jütland bis Estland erstreckt. Von seinem 35 Meter hohen Aussichtsturm unweit des Gipfels reicht der Blick weit übers Land.

Doch auch der Boden des überwiegend aus Buchen bestehenden Waldes ist eine Betrachtung wert. Denn hier wachsen seltene Orchideen wie der streng geschützte Vogel-Nestwurz, ebenso Waldmeister und Maiglöckchen. Durch Wälder, Wiesen und Felder schlängelt sich der Weg weiter gen Osten und passiert dabei die Dörfer Rąty (Ronty), Sławki (Schlawkau), Wyczechowo (Fitschkau), Borcz (Bortsch), Majdany (Maidahnen), Huta Dolna (Niederhütte), Marszewo (Marschau) und schließlich Czapielsk (Czapielken) mit seiner hübschen Fachwerkkirche St. Nikolai.

Lappiner See. Foto von Carsten Heinke

Auf dem letzten Abschnitt über Land schauen Wanderer noch einmal auf Wasserflächen. Denn hier säumen der Jezioro Łapińskie (Lappiner See), Jezioro Łapino Górne (Oberer Lappiner See) und Jezioro Otomińskie (Ottominer See) den Weg. Dahinter liegt bereits Kokoszki (Kokoschken), ein Stadtbezirk von Danzig. Durch den Trójmiejski Park Krajobrazowy (Dreistädter Landschaftsschutzpark) erreicht man den Endpunkt der Route im Zentrum von Zoppot.

Informationen:
  • LAGE: Ausgangspunkt für eine Wanderung auf der Schönberger-Hügel-Route (122 Kilometer) ist das Dorf Sierakowitz im Quellgebiet des Buckowin.
  • AKTIVITÄTEN:
    • Die 127 Kilometer lange, schwarz markierte Schönberger-Hügel-Route verbindet Sierakowitz mit Zoppot. Der Regionalverband der Touristikgesellschaft PTTK bietet eine ausführliche Wegbeschreibung mit Karte: pomorskieszlakipttk.pl/szlaki-piesze/wzgorz-szymbarskicht
    • 20 Kilometer südlich von Sierakowitz kann man an der DW228 bei Węsiory (Wensiorry) in der Landgemeinde Sulęczyno (Sullenschin) prähistorische Steinkreise bestaunen. Im ehemaligen Palais der Familien Przebendowski und Keyserling in Neustadt in Westpreußen gewährt das Museum für kaschubisch-pommersche Literatur und Musik Einblicke in das regionale Kulturerbe: ul. Zamkowa 2a, 84-200 Wejherowo, www.muzeum.wejherowo.pl
  • UNTERKÜNFTE UND RESTAURANTS
  • Folwark Ńemino ist ein sanierter Gutshof mit modernen Zimmern, Restaurant und Golfplatz, sechs Kilometer von Sierakowitz: Łyśniewo Sierakowickie 33, 83-340 Łyśniewo Sierakowickie, Tel. +48 795 135 757, nemino.pl
  • An der Schönberger-Hügel-Route liegen u. a. die Willa MM, wo Magda und Marek gemütliche Zimmer, Hausmannskost und einen Blick auf den Rekowosee bieten (ul. Zamkowa 90, 83-300 Łapalice, Tel. +48 606 694 658, willamm.pl), das Hotel Magnat in Bortsch: Borcz 27b, 83-312 Hopowo, Tel. +48 782 081 966, magnat-borcz.pl) und das 4-Sterne-Landhotel Kozi Gród bei Kossenberg (Kozi Gród, ul. Leśników 3, 83-047 Pomlewo, Tel. +48 601 610 453, kozigrod.pl).
  • Am Kaschubischen Tor am Radaunensee stehen die Ferienhäuser von Hubertowo: Borucino 127, 83-323 Borucino, Tel. + 48 660 435 172, hubertowo.kaszuby.pl

Beitragsbild: Großer Brodnosee. Foto von Carsten Heinke

Buchtipp: Nordpolen - Abseits der ausgetretenen Pfade

56 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade

Warum sind im Krummen Wald die Bäume krumm? Seit wann gibt es die polnischen Tataren? Von welchem Wandersandgebirge schaut man zugleich auf Meer und See, von welchem Turm wie seinerzeit Kopernikus aufs Frische Haff? Wie trifft man freilebende Wisente und Pferde, wo badet man in einer Kräuterwanne mitten auf der Wiese?

Antworten zu diesen und vielen weiteren Fragen zu einem überraschend vielseitigen, weithin unentdeckten Urlaubsland hält das Buch "Nordpolen – Abseits der ausgetretenen Pfade" bereit. In 56 kurzen geografischen Porträts skizziert darin der Autor fast den kompletten Norden Polens. Beginnend in Westpommern gleich neben Deutschland, entlang der Ostseeküste und der Seenplatten weiter südlich, führt die gedachte Reise quer durch Pommern, Ermland und Masuren bis nach Podlachien ganz im Osten nahe Russland, Litauen und Belarus. Ihre Stationen: Städte wie Köslin und Rastenburg, Nationalparks wie Wollin und Belowescher Heide, Kulturlandschaften wie Kaschubien und Kociewie. Die meisten dieser Tipps beschreiben Kleinregionen – ob Ausflugsziel, ob Urlaubsort. Praktische Infos gibt es zu jedem.

Über den Autor: Carsten Heinke ist Reisejournalist und -fotograf aus Leidenschaft. Für seine Bücher, Bilder und Geschichten ist er weltweit unterwegs. 1966 in der ehemaligen DDR geboren und herangewachsen, wurde der Sachse mit teils polnischen Wurzeln nach der Wende zum Globetrotter. Nach Erfahrungen in Pädagogik und Soziokultur machte er seine Hobbys zum Beruf. Seither reist, schreibt und fotografiert Heinke als freier Autor für Buchverlage, Magazine, Zeitungen. Zu Hause ist der glückliche Großvater in Leipzig und einem Dorf in Lettland. Mit Polen verbinden ihn seine Familiengeschichte und unzählige Reiseerlebnisse.

Stimmen zum Buch:

"Dank seines handlichen Formats passt der gehaltvolle Ratgeber zu jedem Fahrradoutfit oder einfach in die Jacken- oder Hosentasche. In 56 kurzen geografischen Porträts skizziert darin der Autor Carsten Heinke fast den kompletten Norden Polens." Online-Reisemagazin Breitengrad53, hier geht´s zur kompletten Rezension: https://www.breitengrad53.de/nordpolen-56-tipps-abseits-der-ausgetretenen-pfade

"Heinke stellt Städte wie Köslin und Rastenburg vor, beschreibt Nationalparks wie die Belowescher Heide und schwärmt von Kulturlandschaften wie Kaschubien und Kociewie. Große Touristenziele, etwa die Ostseebäder, fehlen, denn diese sind bereits ausreichend erkundet und beschrieben worden. Die Stadt Danzig ist trotzdem im Reiseführer zu finden – doch nicht etwa mit dem Königsweg, der touristischen Hauptroute: Der Autor widmet sich dem alten Werftgelände, das sich – still und heimlich – zu einem neuen Hotspot der Stadt mit großem Zukunftspotenzial mausert." Luxemburger Wort vom 10.08.2022

"Das Buch ist weit entfernt von einem Standard-Reiseführer. Die als Tipps bezeichneten Kapitel wecken mit ihren bildhaft-eindrucksvollen, manchmal sehr persönlichen und durchaus subjektiven Darstellungen vor allem Interessen sowie Emotionen, machen neugierig und jede Menge Lust aufs Selberreisen. Die Fotos unterstützen das. Die Begeisterung für Polen, die der Verfasser nicht verbirgt, wird sich bestimmt auf viele Leser übertragen." Polnisches Institut, Leipzig https://instytutpolski.pl/leipzig/2021/11/18/nordpolen-56-tipps-abseits-der-ausgetretenen-pfade/

Bibliographische Angaben:

  • Taschenbuch: 296 Seiten, 239 Fotos, 9 Karten
  • Verlag: 360° medien
  • Auflage: 1. Auflage (Juli 2022)
  • Preis: 16,95 €
  • ISBN: 978-3-96855-299-6
  • Bestellmöglichkeit im Buchhandel oder über den Verlagsshop: 360grad-medienshop.de/Nordpolen