Okzitanien: Les Falaises d’Orque – die Kinderstube des Steinadlers
Okzitanien: Les Falaises d’Orque – die Kinderstube des Steinadlers

28. November 2025

Okzitanien: Les Falaises d’Orque – die Kinderstube des Steinadlers

Mit einer Höhe von 200 Metern bilden die Orque-Felsen nördlich der Massive Caroux und Espinouse die höchste Kalksteinwand im Parc Naturel Régional du Haut Languedoc. Es ist das Reich des Steinadlers, der hier am hohen Himmel seine Kreise zieht – und ein herrliches Wanderziel.

Von Saint-Gervais-sur-Mare windet sich die Départementstraße D922 hinauf zum Pass Col de la Croix de Mounis. Auf dem Weg dorthin berührt sie den Weiler Le Péras. Zwischen der Handvoll Häuser, die zur Gemeinde Castanet-le-Haut gehören, eröffnet sich von einem kleinen Parkplatz ein Paradeblick auf die Klippen von Orque. 

Die Falaises d'Orque gehören zu einer geschützten ZNIEFF, einer Zone Naturelle d’Intérêt Écologique, Faunistique et Floristique. Auf 293 Hektar umfasst sie ein schützenswertes Biotop mit abwechslungsreicher Flora und Fauna und einer hohen Bedeutung für eine gesunde Natur und Umwelt. Bei den Falaises d’Orque im Norden des Hérault handelt sich um einen nach Süden exponierten Kalksteinfelsen mit einem bis zu 800 Meter hohen Plateau im Norden und stark erodierten Hängen gen Osten und Westen, die mehrere Höhlen bergen. 

Die Falaises d'Orque. Foto von Hilke Maunder

Die Felsen sind das Brutgebiet des Steinadlers. Um die Aufzucht seines Nachwuchses nicht zu stören, führt nur ein einziger Wanderweg durch dieses Gebiet. Wer in Péras ist, kann vom Parkplatz einer kleinen Straße folgen, die zur Mühle von Orque führt, und dann zum Fuß der Klippen hinaufsteigen, begleitet vom Tosen des Wildbachs und dem einen oder anderen Steinadler, der seinen Horst in Felsnischen, Spalten und Höhen hat. Größere Wanderungen und mehrstündige Rundwanderungen um die Felsen beginnen in Saint-Geniès-de-Varensal. Wichtigstes Utensil beim Wandern ist ein gutes Fernglas – nur die Augen reichen zum Beobachten der Steinadler und anderer Vögel nicht aus. 

Steinadler. Foto von Kevinsphotos pixabay

Die beste Jahreszeit zum Sichten von Steinadlern ist der Winter. Wenn auf den obersten Lagen des Haut-Languedoc der Schnee liegt, hocken die Steinadler auf ihren Ansitzen und putzen stundenlang ihr Gefieder. Jede Feder stellen sie dabei auf – denn der Winter ist ihre Balzzeit. Sind sie geputzt, starten sie zum Balzflug, schweben mit rund zwei Meter Flügelspannweite um ihren Horst und rufen dann und wann auch ihren Balzruf aus – zwar recht selten, aber doch eindringlich. Miiiääää! Miiiääää!

Alpenbraunelle. Foto von Chme82 cc by-sa 3.0

Während der eigentlichen Brutzeit von Februar bis Mai sollte man auf Wanderungen entlang der Felsen verzichten, um die 44-tägige Brutzeit nicht zu stören. Ist der Nachwuchs geschlüpft, verbleibt er als Nesthocker zunächst im Horst und lernt dort zunehmend eigenständig seine Nahrung zu zerlegen: Murmeltiere, Rabenvögel, Rehe sowie Ziegen, Schafe und selbst Steinböcke. 

Neben Steinadler und dem bedrohten Habichtsadler leben noch viele weitere Vogelarten in den Felsen von Orques und den Bergregionen des Naturparks. Dazu gehören neben Wanderfalken und dem Uhu die Alpenbraunelle, der Mauersegler und die Blaumerle.

Kamillenblüten. Foto von Hermann Schachner cc0

Wicken und Bärenklau, Hundskamillen und Fettkräuter wachsen auf den Wiesen. Flora und Fauna sind so reich und ursprünglich wie sonst selten im Haut-Languedoc erhalten – auch, weil der Tourismus hier bislang kaum stattfindet und die Landwirtschaft von kleinen, meist familiengeführten Höfen dominiert ist, die im kleinen Rahmen Ackerbau betreiben oder Rinder oder Schafe züchten. 

945 Arten haben die Forscher hier erfasst. 139 davon sind geschützt, 17 davon vom Aussterben bedroht. Dazu gehören neben dem Rotmilan auch der Mauerläufer, das Braunkehlchen und selbst die Provencegrasmücke.

Informationen:
  • LAGE: Die Felsen befinden sich im Norden des Hérault nahe der Grenze zu den Départments Tarn und Aveyron im regionalen Naturpark Haut-Languedoc bei der Kommune Castanet-le-Haut. Maison du Parc naturel régional du Haut-Languedoc: 1 Place du Foirail - BP 9, 34220 Saint-Pons-de-Thomières
  • AKTIVITÄTEN:
  • VERPFLEGUNG: Saint-Geniès-de-Varensol ist ein kleines Dorf mit rund 200 Einwohnern. Im Foyer Rural gibt es einen Kaufmannsladen. Jeden Montag- und Donnerstagmorgen hält der Bäckerwagen der mobilen Boulangerie in Saint-Geniès, jeden Dienstagmorgen hält der Fischmann mit seinem mobilen Verkaufsstand im Dorf, jeden Donnerstag kommt Jean-Luc mit seinem Lebensmittellieferwagen vorbei und verkauft Gemüse, Fleisch, Aufschnitt und Käse.
  • UNTERKUNFT: Einzige Unterkunft im Dorf ist sind die kommunalen Gîtes „Les Sagnes“ mit Einzelzimmern, einem kleinen Ferienhaus für vier bis sechs Personen, einem mittelgroßen Ferienhaus für acht bis zehn Betten sowie eine Gruppenunterkunft mit 14 Schlafplätzen; Reservierung: 34610 Saint-Geniès-de-Varensal, Tel. +33 4 67 23 60 95, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., stgeniesdevarensal.wixsite.com/mairie/gites
  • WEBSITE: parc-haut-languedoc.fr

Beitragsbild: Saint-Genies-de-Varensal. Foto von Fagairolles34 cc by-sa 4.0

Buchtipp: Okzitanien - Frankreichs Süden - 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade

Toulouse ist das leicht zu erreichende Sprungbrett einer Region, die Hochgebirge und Mittelmeer, einsame Lagunen und urige Wälder, quirlige Backsteinstädte und romantische Bastiden in einem Puzzle von 13 Départements vereint: Okzitanien ist die Quintessenz des Südens Frankreichs. Der echte Midi beginnt in den Höhen der Cevennen, endet im Süden am Mittelmeer – und präsentiert sich zwischen Rhône und Adour als eine Region, die selbstbewusst ihre ganz eigene Kultur, Sprache und Küche pflegt.

L’Occitanie ist Frankreich – und doch ganz anders. Katharerburgen erzählen vom Kampf gegen Kirche und Krone, eine gelbe Pflanze vom blauen Wunder, das Okzitanien im Mittelalter reich machte. Acht Welterbestätten birgt die zweitgrößte Region Frankreichs, 40 Grand Sites – und schier unzählige Highlights, die abseits liegen. 50 dieser Juwele enthält dieser Band: besondere Menschen, einzigartige Museen, Wander- und Radeltipps, Naturperlen und Kunststätten, die überraschen. Abseits in Okzitanien: Bienvenue im Paradies für Entdecker!

Über die Autorin:
Hilke Maunder, geboren 1961, berichtet seit drei Jahrzehnten aus Australien und Frankreich. Seit 2014 hat die Hamburgerin mit der Welt im Herzen ein zweites Zuhause in einer der unbekanntesten Ecken Okzitaniens – in Saint-Paulde-Fenouillet, der Hauptstadt der alten Comarca Fenouillèdes und Tor zum Naturpark Corbières-Fenouillèdes, der im September 2021 gegründet wurde. Zum Prinzip ihrer Reisen gehört es, möglichst nie die gleiche Straße zu nehmen. 50 der Geheimtipps, die sie so entdeckt hat, verrät sie in diesem Buch, weitere Entdeckungen auf ihrem Blog meinfrankreich.com. 2014 verlieh Frankreich der Autorin die französische Verdienstmedaille des Tourismus.

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  • Format: 16,5 x 11,5 cm
  • Verlag: 360° medien; 4. Auflage Juli 2024
  • Preis: 16,95 €
  • ISBN: 978-3-96855-278-1

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