
13. April 2026
Nordpolen: Slowinzischer Nationalpark - kleines, feines Sandgebirge
Wind und feiner Meeressand formen nahe dem Badeort Łeba (Leba) eine sehr spezielle, wunderschöne Küstenlandschaft. Dünen sind im Ostseeraum nichts Ungewöhnliches. Doch diese hier sind schon ein kleines Sandgebirge und obendrein noch permanent auf Wanderschaft.
Der einfachste Weg in den Słowiński Park Narodowy (Slowinzischer Nationalpark) startet in Leba. Zu Fuß, per Fahrrad oder Elektrotaxi „Meleks“ geht es durch den lichten Küstenwald. Wo der zu Ende ist, beginnt die Wüste. Und sogleich erhebt sie sich zur Wydma Łącka (Lontzkedüne), auch Łącka Góra (Lontzkeberg) genannt. Mit breiten, ausladenden Hängen und einem hohen Kamm zieht sich die Superdüne über eine Nehrung zwischen Meer und Jezioro Łebsko (Lebasee). 500 Hektar groß und im Sommer bis zu 42 Meter mächtig, zählt sie zu Europas höchsten und massivsten Wandersandgebirgen. Beständig neue Muster bläst der Wind hinein, lässt die feinen Körner bis zur Oberkante aufwärts rieseln, bis sie wieder steil nach unten fallen, und hält damit den ganzen Riesenhaufen unablässig in Bewegung. Bis zu zwölf Meter jährlich verschiebt sich dieser so von West nach Ost. Ohne Rücksicht auf Verluste begräbt die Wüste in Bewegung dabei alles unter sich, was ihr im Wege steht – so wie einst auch das Dorf Lontzke und den Wald ringsum. Am Anfang wie am Ende der Lawine sieht man die Spitzen toter Kiefern oder Birken. So wie Ertrinkende verzweifelt ihre Arme heben, strecken die erstickten Bäume ihre kahlen Äste aus dem Sand. Von ganz oben schaut man nördlich auf die Ostsee, südlich auf den Lebasee.
Am Strand entlang geht es zurück nach Leba oder weiter westlich bis nach Rowy (Rowe). Unterwegs gibt es noch mehr ansehnliche Landschaftsblicke aus der Höhe – vom Leuchtturm Scholpin (25 Meter) etwa oder vom Rowokół (Revekol). Dieser 115 Meter hohe Hügel bei Smołdzino (Schmolsin) liegt zwischen dem Jezioro Gardno (Garder See) und dem Lebasee. Früher orientierten sich die Ostseeschiffe an dem Küstenberg. Mit der Marienkapelle, die vom 12. bis 16. Jahrhundert auf seinem Gipfel stand, half er beim Navigieren. Schon in heidnischer Zeit galt der Berg Revekol als heilig. Die Christen machten ihn zum Wallfahrtsort. Seinen Aussichtsradius von oben vergrößert heute ein 20,5 Meter hoher Turm.
In Kluki (Klucken), zehn Kilometer nordöstlich, erinnert ein Freilichtmuseum an die Slowinzen (auch Lebakaschuben), ein westslawisches Volk, das hier einst lebte. Das Bauern- und Fischerdorf am Lebasee war offenbar der letzte Ort, wo man Slowinzisch sprach, bevor es Mitte des 20. Jahrhunderts ausstarb. Außer durch den stark vom Deutschen beeinflussten Wortschatz unterschieden sich die Slowinzen von den katholischen Kaschuben durch ihren protestantischen Glauben. Typisch für ihre Dörfer waren die Fachwerkhäuser, denen die Region den Namen „kariertes Land“ verdankt. Das meistkarierte Dorf ist Swołowo (Schwolow) bei Stolp, das allein 70 Bauten mit den markanten Balkengittern zählt. Südlich vom Nationalpark liegt Lębork (Lauenburg) am Pommerschen Jakobsweg. Sehenswürdigkeiten sind u. a. der Ordensburg-Komplex, die gotische Jakobskirche und Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung.
Informationen:
- LAGE: Das Ostseebad Leba (3500 Einwohner) liegt nordwestlich von Danzig (110 Kilometer) und Lauenburg (30 Kilometer) sowie 60 Kilometer nordöstlich von Stolp.
- AKTIVITÄTEN:
- Der Slowinzische Nationalpark hat seinen Sitz in Schmolsin: ul. Bohaterów Warszawy 1a, 76-214 Smołdzino, Tel. +48 59 811 72 04, slowinskipn.pl
- Museum in Czołpino (Scholpin), Museum in Rowe, Museum in Rąbka (Rumbke), 20 Meter hoher Aussichtsturm auf dem Revekol und Leuchtturm in Scholpin
- Elektrokarren-Fahrten zur Lontzkedüne oder zum Muzeum Wyrzutnia Rakiet Rąbka (Museum auf dem Raketentestgelände Rumbke): meleksik.pl
- An der Lebamündung entsteht bis 2024 das Museum für Unterwasserarchäologie und Ostseefischerei.
- Das Stadtmuseum Lauenburg nahe der Ordensburg
dokumentiert u. a. die Erfindung der Nipkowschen Scheibe, mit der Paul Nipkow 1884 als 24-jähriger
Student die Entwicklung des Fernsehens einleitete: ul. Młynarska 14-15, 84-300 Lębork, muzeum.lebork.pl - Tourist-Info in Leba: ul. Kościuszki 121, 84-360 Łeba, Tel. +48 504 247 615, leba.eu
- Tourist-Info in Lauenburg: al. Niepodległości 6, 84-300 Lębork, Tel. +48 59 842 01 34, lotzl.lebork.pl
- UNTERKÜNFTE UND RESTAURANTS:
- Prima Ferienwohnungen und -häuser in Holzkaten unweit der Wanderdünen bietet der Gästebauernhof Przysiółek Smołdziński Las: Smołdziński Las 53, 76-214 Smołdzino, Tel. +48 603 951 806, przysiolek.com.pl
- Landhotel Słowiński Dwór: Smołdziński Las 23b, 76-214 Smołdzino, Tel. +48 605 833 144, slowinskidwor.pl
- Lebas Wahrzeichen, das 1907 als Kurhaus Neptun eröffnete Zamek Łeba, ist ein Vier-Sterne-Strandhotel mit Restaurant im Stil eines Schlosses: ul. Sosnowa 1, 84-360 Łeba, Tel. +48 662 268 390, zamekleba.pl
Beitragsbild: Lontzkedüne, unterer Teil. Foto von Carsten Heinke
Buchtipp: Nordpolen - 50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade
Warum sind im Krummen Wald die Bäume krumm? Seit wann gibt es die polnischen Tataren? Von welchem Wandersandgebirge schaut man zugleich auf Meer und See, von welchem Turm wie seinerzeit Kopernikus aufs Frische Haff? Wie trifft man freilebende Wisente und Pferde, wo badet man in einer Kräuterwanne mitten auf der Wiese?
Antworten zu diesen und vielen weiteren Fragen zu einem überraschend vielseitigen, weithin unentdeckten Urlaubsland hält das Buch "Nordpolen – Abseits der ausgetretenen Pfade" bereit. In 56 kurzen geografischen Porträts skizziert darin der Autor fast den kompletten Norden Polens. Beginnend in Westpommern gleich neben Deutschland, entlang der Ostseeküste und der Seenplatten weiter südlich, führt die gedachte Reise quer durch Pommern, Ermland und Masuren bis nach Podlachien ganz im Osten nahe Russland, Litauen und Belarus. Ihre Stationen: Städte wie Köslin und Rastenburg, Nationalparks wie Wollin und Belowescher Heide, Kulturlandschaften wie Kaschubien und Kociewie. Die meisten dieser Tipps beschreiben Kleinregionen – ob Ausflugsziel, ob Urlaubsort. Praktische Infos gibt es zu jedem.
Über den Autor:
Carsten Heinke ist Reisejournalist und -fotograf aus Leidenschaft. Für seine Bücher, Bilder und Geschichten ist er weltweit unterwegs. 1966 in der ehemaligen DDR geboren und herangewachsen, wurde der Sachse mit teils polnischen Wurzeln nach der Wende zum Globetrotter. Nach Erfahrungen in Pädagogik und Soziokultur machte er seine Hobbys zum Beruf. Seither reist, schreibt und fotografiert Heinke als freier Autor für Buchverlage, Magazine, Zeitungen. Zu Hause ist der glückliche Großvater in Leipzig und einem Dorf in Lettland. Mit Polen verbinden ihn seine Familiengeschichte und unzählige Reiseerlebnisse.
Stimmen zum Buch:
"Dank seines handlichen Formats passt der gehaltvolle Ratgeber zu jedem Fahrradoutfit oder einfach in die Jacken- oder Hosentasche. In 56 kurzen geografischen Porträts skizziert darin der Autor Carsten Heinke fast den kompletten Norden Polens." Online-Reisemagazin Breitengrad53, hier geht´s zur kompletten Rezension: https://www.breitengrad53.de/nordpolen-56-tipps-abseits-der-ausgetretenen-pfade
"Heinke stellt Städte wie Köslin und Rastenburg vor, beschreibt Nationalparks wie die Belowescher Heide und schwärmt von Kulturlandschaften wie Kaschubien und Kociewie. Große Touristenziele, etwa die Ostseebäder, fehlen, denn diese sind bereits ausreichend erkundet und beschrieben worden. Die Stadt Danzig ist trotzdem im Reiseführer zu finden – doch nicht etwa mit dem Königsweg, der touristischen Hauptroute: Der Autor widmet sich dem alten Werftgelände, das sich – still und heimlich – zu einem neuen Hotspot der Stadt mit großem Zukunftspotenzial mausert." Luxemburger Wort vom 10.08.2022
"Das Buch ist weit entfernt von einem Standard-Reiseführer. Die als Tipps bezeichneten Kapitel wecken mit ihren bildhaft-eindrucksvollen, manchmal sehr persönlichen und durchaus subjektiven Darstellungen vor allem Interessen sowie Emotionen, machen neugierig und jede Menge Lust aufs Selberreisen. Die Fotos unterstützen das. Die Begeisterung für Polen, die der Verfasser nicht verbirgt, wird sich bestimmt auf viele Leser übertragen." Polnisches Institut, Leipzig https://instytutpolski.pl/leipzig/2021/11/18/nordpolen-56-tipps-abseits-der-ausgetretenen-pfade/
- Taschenbuch: 296 Seiten, 239 Fotos, 9 Karten
- Format: 16,5 x 11,5 cm
- Verlag: 360° medien; 1. Auflage (Juli 2022)
- Preis: 16,95 €
- ISBN: 978-3-96855-299-6
Bestellungen im Buchhandel und im 360° medien-Onlineshop (innerhalb Deutschlands versandkostenfrei): 360grad-medienshop.de/Nordpolen








