Australiens Grenzchaos wegen Öffnungsankündigung aus Sydney

15. Oktober 2021

Australiens Grenzchaos wegen Öffnungsankündigung aus Sydney

Sydney und der dazu gehörige Bundesstaat New South Wales wollen sich ab dem ersten November wieder der Welt öffnen. Die überraschende Ankündigung am Freitag führte zunächst zu Chaos in Australien. Denn dort sind selbst die internen Grenzen zwischen den Bundesstaaten eigentlich noch geschlossen. Der Premierminister stellte schließlich einiges klar.

Es war eine überraschende Nachricht, die am Freitagmorgen auf den Nachrichtenseiten Australiens aufleuchtete. Sydney und der dazu gehörige Bundesstaat New South Wales wollen bereits ab dem ersten November wieder internationale Reisende begrüßen. Gleichzeitig beendet der australische Bundesstaat das Konzept der Hotelquarantäne. Damit öffnet sich Sydney wieder der Welt – Menschen in Australien dürfen wieder ohne Ausnahmegenehmigung ausreisen, Menschen aus anderen Ländern wieder einreisen.

So lautete zumindest die ursprüngliche Nachricht – nach einer Pressekonferenz des Premiers von New South Wales, Dominic Perrottet. „Wir öffnen Sydney und New South Wales für die Welt“, sagte er vor Reportern. „Dies ist ein bedeutender Tag für unseren Staat.“

Öffnung mit Hindernissen

Doch Australiens Premierminister Scott Morrison dämpfte die anfängliche Euphorie wenige Stunden später, indem er in seiner Pressekonferenz verkündete: „Wir öffnen uns derzeit nicht für alle, die nach Australien zurückkehren.“ Das wolle er klarstellen. „Wir werden dies stufenweise vorantreiben, wie wir es bei all diesen Dingen getan haben.“ Ab November dürften deswegen zunächst australische Staatsbürger und solche mit permanenter Aufenthaltsgenehmigung (PA) sowie deren unmittelbare Familien aus- und einreisen. Erst später würden dann qualifizierte Migranten und Studenten sowie Touristen folgen.

Wer ab November nach Australien einreisen will und darf, muss doppelt geimpft sein und einen negativen PCR-Test vorlegen können, bevor er an Bord eines Fliegers geht. Für Ungeimpfte gibt es die Möglichkeit einzureisen, solange sie sich in Quarantäne begeben. Doch das Kontingent an Quarantäneplätzen wird sehr begrenzt sein.

Sydneysider dürfen nach Paris, aber nicht nach Brisbane

Während etliche Sydneysider mit Freude auf die Nachricht reagierten, dass sie ab November wieder ins Ausland reisen dürfen, äußerten andere australische Bürger Skepsis. Ein Journalist aus Melbourne zeigte beispielsweise die verwirrenden Regeln auf, die im Inneren des Landes nach wie vor gelten. Denn dort wird zum ersten November nach derzeitigem Stand nur die Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria (der Staat, in dem Melbourne liegt) geöffnet sein – und auch diese nur mit Auflagen. „Die Einwohner von New South Wales können sich also bequem an jeden Ort in Victoria begeben, aber Melburnians können sich nicht weiter als 15 Kilometer von zu Hause entfernen oder den Haushalt von jemand anderen besuchen“, schrieb er (dazu auch ein Twitter-Link von Katina Curtis: "Are you confused about COVID restrictions across the different states? Here's a handy (ahem) guide from the federal government: https://t.co/gOMGpvfJMp".)

Weiter bedeutet dies, dass Sydneysider (zumindest die mit Pass oder PA) zum derzeitigen Stand zwar ab November nach Paris, London oder New York reisen können, aber nicht nach Brisbane, Perth, Tasmanien, Darwin oder Canberra. Dass die anderen Staaten ihre Grenzen bisher noch geschlossen halten, liegt vor allem daran, dass dort die Impfkampagne nicht ebenso fortgeschritten ist wie in Sydney und New South Wales, wo bereits 77,8 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren vollständig und 91,4 Prozent einmal geimpft sind.

6000 neue Flüge pro Woche

Laut eines Berichts des Guardian arbeiteten die Fluglinien am Freitag auf Hochtouren daran, bis zu 6000 neue Sydney-Flüge pro Woche online zu stellen, um den neuen Bedarf ab November abzudecken. Die australische Fluglinie Qantas wird auf ihren internationalen Flügen dabei nur noch geimpfte Passagiere transportieren, wie die Airline bereits im September verkündete. Qantas-Chef Alan Joyce begründete dies mit den hohen Sicherheitsstandards der Fluglinie. Auch für die 22.000 Angestellten von Qantas ist die Impfung bereits Pflicht – mit Ausnahme derjenigen, die eine medizinische Begründung angeben können.

Australien hatte über lange Zeit eine No-Covid-Strategie verfolgt, die in den vergangenen eineinhalb Jahren tausende Menschenleben gerettet und den  Menschen auf dem fünften Kontinent über lange Zeit ein relativ normales Leben beschert hat. Die Schattenseite war jedoch, dass zwischenzeitlich bis zu 40.000 Australier im Ausland feststeckten, nachdem die Fluggesellschaften die Flugangebote reduzierten, Preise explodierten und Angebote immer wieder storniert wurden. Auch die Australier im Land sowie Bürger mit einer permanenten Aufenthaltsgenehmigung konnten das Land nur mit einer Ausnahmegenehmigung verlassen, die an strenge Regeln gebunden war. Ein Familienbesuch beispielsweise reichte als Grund nicht aus.

Das Konzept scheiterte letztendlich, als die Delta-Variante im Juni im Land ausbrach. Ein Limousinenfahrer hatte sich bei einer Flugzeugcrew angesteckt. Plötzlich schnellten die Zahlen nach oben und inzwischen hat Australien 130.000 Infektionen und fast 1450 Tote zu beklagen. Sydney verbrachte 15 Wochen über den Winter auf der Südhalbkugel im Lockdown, bevor es sich nach der erfolgreichen Impfkampagne diese Woche nun wieder öffnen konnte.

Autorin: Barbara Barkhausen, Sydney