Ligurien: Recco  – Käse-Focaccia und Feuerwerk
Ligurien: Recco  – Käse-Focaccia und Feuerwerk

07. August 2025

Ligurien: Recco – Käse-Focaccia und Feuerwerk

An sich ist der Küstenort Recco nichts Besonderes – keine bunten Häuser wie in Camogli, kein richtig schmucker Strand. Doch Recco hat etwas hervorgebracht, das die Gemeinde über die Grenzen Liguriens hinaus bekannt machte: Focaccia al formaggio, die überaus leckere Käse-Focaccia, eine echt ligurische Spezialität. Und jedes Jahr im September steigt dort das größte Feuerwerk Liguriens.

„Wir fahren heute mal nach Recco“ ist ein Satz, den man von Ligurien-Urlaubern normalerweise nicht hört – und von Ligurern selbst nur, wenn sie großen Hunger haben. Hunger auf Focaccia al formaggio, die ganz besondere Focaccia mit warmem, zerlaufenem Käse, wie sie nur die echten Backexperten aus Recco hinbekommen.

Natürlich gibt es Focaccia, sogenanntes „ligurisches Fladenbrot“, von der Regionshauptstadt Genua bis in jedes noch so winzige Dorf im Hinterland. Im regionalen Dialekt heißt es „Fügassa“, was „an der Feuerstelle gebacken“ bedeutet, und dient den Ligurern als Frühstück, Snack oder Beigabe zum abendlichen Aperitif. Aber findet man andernorts köstliche Focaccia semplice, sprich einfach, ohne Belag, Focaccia mit Tomaten, Zwiebeln, Oliven oder anderen Toppings, so rühmt sich Recco schon seit dem 15. Jahrhundert mit der Erfindung der speziellen Käse-Focaccia. Dies war zur Zeit der Sarazenen, eines Volksstammes aus dem Nordwesten der arabischen Halbinsel, der nicht nur Ligurien häufig überfiel. Recco war als Küstenstadt ein Lieblingsziel der Räuber, und die Bewohner retteten sich ins Hinterland, wo sie an Essbarem vor allem Korn zur Produktion von Mehl fanden – und Kühe, sodass es ihnen auch an Milch und Käse nicht fehlte. Da kamen sie irgendwann darauf, eine Käse-Focaccia aus diesen einfachen Zutaten zu backen. Es dauerte jedoch bis nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Wirtschaft wuchs und Recco mit seinem starken Wasserball-Team von sich reden machte, dass sich das Städtchen zur gastronomischen Hauptstadt Liguriens mauserte – mit Käse-Focaccia ganz oben auf den Speisekarten!

Lecker! Foto von Bernadette Olderdissen

Eine der Lieblings-Focaccia-Bäckereien der Ligurer ist das alteingesessene Panificio Moltedo in Recco, das Ururgroßvater Moltedo 1874 gründete. Der heutige Inhaber, Ururenkel Lorenzo Moltedo, wurde bereits zwischen den Öfen groß und sah mit leuchtenden Kinderaugen zu, wie aus Manitobamehl, Stracchino (ein Weichkäse aus Norditalien), nativem Olivenöl, Salz und Wasser Käse-Focaccia entstand.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, ganz viel Käse-Focaccia schlemmen möchte, und das auch noch gratis, der kann am vierten Sonntag im Mai ein weiteres Mikroabenteuer in Recco erleben: Dann steigt dort nämlich die größte Focaccia-Party des Jahres in Ligurien. Um 30.000 bis 40.000 Hungrige zu füttern, bereiten sich sämtliche Focaccia-Bäcker der Stadt das ganze Jahr über vor. An diesem einen Sonntag pro Jahr stehen den Besuchern alle Bäckereien und Focaccerien Reccos offen. Morgens gibt es Focaccia genovese mit oder ohne Zwiebeln, am Nachmittag die heißersehnte Focaccia di Recco mit reichlich Käse.

Focaccia al formaggio – Reccos Spezialität. Foto von Bernadette Olderdissen

Doch die Recchelini, wie sich die Einwohner Reccos nennen, zeigen nicht nur im Mai, dass sie feiern können: Jedes Jahr vom 6. bis 8. September haben die Feuerwerksmeister Reccos die Chance, ihr Handwerk zur Schau zu stellen, denn dann erleuchten die Fuochi di Recco den Nachthimmel, Reccos berühmtes Feuerwerk, das bereits seit dem 8. September 1824 Tradition ist. Gefeiert wird die „Madonna der Fürbitte“ (Nostra Signora del Suffragio), die Schutzpatronin Reccos. Um genau 3:30 Uhr des 8. Septembers wird man von Kanonenschüssen aus dem Schlaf gerissen, welche die Geburt der Jungfrau Maria verkünden und zur Frühmesse um 4:30 Uhr laden. Noch spannender ist allerdings die Prozession um 20:30 Uhr am Abend des 8. September, wenn eine Skulptur der Madonna im Takt der Kanonenschüsse durch die Straßen Reccos getragen wird, im Beisein von jeder Menge Feierlustigen.

Es ist ein einmaliges Volksfest mit Livemusik und vielen Ständen, wo man natürlich Käse-Focaccia bis zum Platzen schlemmen kann. Wer keine Lust hat, sich durch die Massen zu quetschen und das Feuerwerk in Dosenwürstchen-Position anzuschauen, hüpft stattdessen auf eines der Boote, die an den Feuerwerks-Abenden vom Hafen in Genua starten und ihren Passagieren erlauben, das Spektakel in Recco entspannt vom Wasser aus zu erleben – Reservierung empfohlen!

Informationen:
  • LAGE: am Meer knapp 30 Kilometer östlich von Genua, unweit des Küstenortes Camogli
  • ANREISE: per Zug ab Genua Principe
  • AKTIVITÄTEN:
    • Käse-Focaccia schlemmen, u. a. beim beliebten Panificio Moltedo: Leckere Käse-Focaccia bekommt man aber auch in vielen anderen Focaccerie oder in Restaurants mit Erster-Reihe-Meeresblick, wo die Köstlichkeit bis spät in den Abend serviert wird; Via Biagio Assereto 15, 16036 Resso
    • Focaccia-Fest: vierter Sonntag im Mai
    • Fuochi di Recco (Feuerwerk): jährlich vom 6. bis 8. September; sagradelfuoco.it

Beitragsbild: Bucht von Recco. Foto von Bernadette Olderdissen

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Über die Autorin: Bernadette Olderdissen, gebürtige Rheinländerin, ist eine Geschichtensammlerin mit Leidenschaft fürs Schreiben, Reisen und die Natur. 2017 erfüllte sie sich ihren großen Traum und machte sich als Reisejournalistin und Autorin selbstständig. Ihre Reportagen über teils abenteuerliche Reisen nah und fern, mit Fokus auf Naturerlebnisse und Menschen, erscheinen bei verschiedenen Medien. Außerdem verfasst sie Bücher rund ums Reisen, um Naturerlebnisse und Krimis, darunter eine Globetrotter-Krimi-Serie.

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